PETRA WIENEKE
KLEINTIERBESTATTUNGEN
© Copyright 2009 - Petra Wieneke - Kleintierbestattungen - Alle Rechte vorbehalten


Tierischer Urnengang
Petra Wieneke betreibt in Dieselbruch einen Bestattungsdienst für Hund, Katz und Maus
VON STEFAN DERSCHUN
Detmold-Diestelbruch
Was passiert mit dem treuen, tierischen Begleiter, wenn er gestorben ist? Die Dieslbrucherin Peta Wieneke hat darauf seit zwei Wochen eine Antwort: Sie bietet Kleintierbestattungen an.

Moritz hat keine Berührungsängste, Neugierig schleicht sich der schwarz-weiße Hauskater an den grauen Plastikbehälter heran, schnüffelt kurz am Deckel, um sich im nächsten Moment dann doch ziemlich desinteressiert in eine Sofacke plumpsen zu lassen. "Für Moritz ist das hoffentlich noch ein bisschen hin" sagt Petra Wieneke über ihren Kater. Der ist mit seinen zwölf Monaten ein Jundspund, und der Gedanke an sein Ableben folglich noch fern, Schnuppern aber ist erlaubt - am Behälter und auch am düsteren Thema. Denn seit zwei Wochen transportiert Moritz "Dosenöffnerin" , wie Petra Wieneke die Rolle des Menschen im Leben einer Katze prosaisch bezeichnet, in solchen Behältern tote Hunde, Katzen, Meerschweinchen oder Vögel, kurz: alles was lieb und tierisch ist, zur Feuerbestattung in ein Osnabrücker Spezialkrematorium.

Auf einem Bestelltisch hat die 38-Jährige drei unterschiedlich vasenähnliche Gefäße und eine Glaskugel aufgestellt. Ton, Alabaster, Messing, Glas. "Das sind Urnen" erklärt die Kleintierbestatterin, deren morbide Funktion. Sogar die Kugel offeriert ein Löchlein und entpuppt sich als letzte Ruhestätte für die Überreste von Hamstern oder Meerschweinchen. "Eigentlich für alle Tiere bis zu drei Kilogramm", präzisiert Petra Wieneke. Es gebe sogar kleine Holzdosen für Vögel. "Die sind so groß" sagt Petra Wienke und formt mit Daumen und Zeigefinder einen Kreis.
Dass sie über profunde Kleintierurnen-Kenntnisse verfügt, hat seinen Ursprung in dem Wunsch, beruflich einmal etwas anderes zu probieren. Als Zahntechnikerin habe sie manchmal einen halben Tag lang im Labor gesessen, ohne ein Wort zu wechseln. " Ich wollte mehr Kontakt mit Menschen haben; reden, trösten, helfen. Aber es musste auch eine Marktlücke sein, etwas Außergewöhnliches", nennt sie ihr Ziel.

"Man darf Abschied nicht banalisieren"
                                        PETRA WIENEKE

Im Herbst 2004 wird eine Tiersendung im Fernsehen zur Inspiration und Initialzündung für die Diestelbrucherin. "Hund, Katze, Maus" stellt das einzige Kleintierkrematorium Norddreutschland vor", Rosengarten" in Osnabrück. "Das war es. Ich wollte einen Bestattungsdienst anbieten, der die toten Haustiere nach Osnabrück transportiert", sagt Petra Wieneke. Also nimmt sie Kontakt zum "Rosengarten" auf, absolviert erfolgreich die notwendigen Behördengänge zum Kreisveterinäramt und erhält Anfang des Jahres  die Genehmigung der Bezirksregierung. Tierärzte und Fachgeschäfte werden über das Angebot unterrichtet, 5000 Flyer verteilt und ein Bestattungswagen in dezentem Silber für die Überfüugn der tierischen Überreste angeschafft.
"Wenn ein Tier gestorben ist, hole ich es von dem Eigentümer oder dem Tierarzt ab und bringe es zur Zwischenlagerung  in den Kühlraum", beginnt Petra Wieneke den Ablauf einer Bestattung zu beschreiben. Sie informiere die Besitzer über die verschiedenen Möglichkeiten der Einäscherung und Modelle von Urnen. "Manchmal geht es aber auch um richtige Trauerarbeit. Man darf - gerade bei älteren Menschen - den Abschied von einem lieb gewonnenen Haustier nicht banalisieren.

"Moritz kommt unter die Trauerweide"
                                       PETRA WIENEKE

Am Wochenende werden die Kadaver zur Einäscherung nach Osnabrück transportiert:
je nach Wunsch mit oder ohne Begleitung von Frauchen und Herrchen.
Einige Tage später kommt per Paketdienst die Asche in der Urne der Wahl zurück
- aber nur, wenn sich die Besitzer für eine Einzeläscherung entschieden haben.

In der Nähe von so viel Kleintiertod muss die Frage nach Moritz Bestattung dann doch
leise gestellt werden. "Moritz", wiederholt Petra Wieneke, jetzt ganz Frauchen, beugt
sich zurück und weist in Richtung einer Trauerweide, unter der ein Findlich gesetzt ist.
Moritz aber schweigt und leckt sich zufrieden das Fell.

 


.

 

zurück